Die Entwicklung der Fächer

Wirtschaft im Strukturwandel und die Auswirkungen auf die  Profilfächer im kaufmännischen Zweig

Journale, Lochstreifen, Zinsstaffel, Wechsel, Betriebsübersicht, T-Konten-Block – das sind Begriffe, die viele von den „Älteren“ noch mit dem Fach „Wirtschaft“ in der Schule verbinden. Es gab gleich drei Fächer, die den Stoff vermittelten: Wirtschaftslehre, Buchführung und Wirtschaftsrechnen. Ziel war es, auf eine Laufbahn in Handel, Industrie und Handwerk hinzuführen. Der Praxisbezug stand und steht auch heute noch mehr im Vordergrund. Durch mehrfache Lehrplanänderungen sind immer wieder aktuelle Änderungen aufgenommen worden, aber immer steht der Praxisbezug im Focus.

Inhalte aus Buchführung und Wirtschaftsrechnen sind heute in einem kombinierten Fach, dem Fach BwR – Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen – zusammengefasst und die zu bearbeitenden Aufgaben integrieren Rechen- und Buchungsaufgaben. Dies entspricht auch eher der Realität in allen Wirtschaftsunternehmen. Aber auch private Haushalte sollten aus den vielfältigen Angeboten als kritische Verbraucher die Flops erkennen und Vergleiche anstellen können. In insgesamt vier Schuljahren lernen Schüler und Schülerinnen in der Wahlpflichtfächergruppe II zunächst das Kalkulieren. Sie sollen in der Lage sein, den günstigsten Anbieter zu erkennen, aber auch weitere Überlegungen – außer Preisargumente – einzubeziehen. Außerdem gilt es auch für die hergestellten Erzeugnisse einen Verkaufspreis zu errechnen. Zu den topaktuellen Themen zählt momentan der Finanzbereich, wobei sowohl der Kreditbereich als auch die verschiedenen Geldanlagemöglichkeiten mit ihren Chancen und Risiken besprochen werden. Auch jeder private Verbraucher sollte ein zunächst „absolut günstiges Leasingangebot“ kritisch betrachten und mit anderen Möglichkeiten vergleichen können. Ein ebenso existenzielles Thema ist die Lohn- oder Gehaltsabrechnung mit den damit verbundenen gesetzlichen und tariflichen Abzüge. Weitere Themen sind der Anlagenbereich und Unternehmensinsolvenzen.

Für die Buchungen in allen Bereichen sind die Grundkenntnisse über Bilanzen und Konten nötig, aber auch die gesetzlichen Vorschriften. Waren Schüler froh, endlich den Taschenrechner ab der 8. Klasse verwenden zu dürfen, hat heute der PC auch in den wirtschaftlichen Fächern Einzug gehalten. Schon ab der 7. Jahrgangsstufe werden z.B. einfache EXCEL-Tabellen mit ihren Formeln erstellt, die in jedem Schuljahr wiederholt und dem Schwierigkeitsgrad angepasst werden. Ebenso werden betriebswirtschaftliche Inhalte verstärkt im Lehrplan aufgenommen. Neuerungen in allen Bereichen werden immer wieder ergänzt und Begriffe wie E-Commerce, Bulle und Bär, Globalisierung, Factoring etc. sind selbstverständliche Begriffe für unsere Jugendlichen.

Das Fach Wirtschaftlehre gibt es auch heute noch, heißt aber Wirtschaft und Recht. Es wird zwar in allen Zweigen der Realschule vermittelt (im Zweig III a nur mit einzelnen Inhalten im Fach BwR), aber verstärkt im kaufmännischen Zweig. Man sieht schon am Namen des Faches, dass sich die Schwerpunkte verändert haben. So wurde in der 9.Klasse ein eigenes Kapitel Strafrecht eingefügt und auch in allen anderen Jahrgangsstufen und Themenbereichen verweist man intensiv auf die gesetzlichen Vorschriften: in der 7. Klasse werden die Rechtsformen der Unternehmen wie AG und GmbH behandelt, in der 8. Klasse folgen Kapitel über Familien- und Erbrecht, Patentrecht und Vertragsrecht und in der 10. Klasse über Transferzahlungen wie Kindergeld und Wohngeld (seit zwei Jahren eingebunden im Fach Sozialkunde). Auch der Volkswirtschaftslehre wurde ein größerer Bereich eingeräumt, um den Anforderungen im späteren Berufsleben gerecht zu werden. Die Globalisierung, die uns heute in allen Bereichen des Lebens begegnet, bringt uns die Vielfalt und den Luxus aus einem umfassenden Warenangebot wählen zu können. Die Schattenseiten mit ökologischen und sozialen Problemen beschäftigen uns ebenso. Der Zusammenhang der Märkte, das Wissen über Güter- und Geldströme, Begriffe wie Preisbildung, Kaufkraft, Inflation wird je nach Alter der Schüler unterschiedlich vertieft.

Durch mehrfache Lehrplanänderungen konnten auch in diesem Fach aktuelle Entwicklungen aufgenommen werden. Aber auch hier steht der Praxisbezug im Vordergrund. Vor allem in der 9. Klasse ist das Thema der Berufsfindung und – vorbereitung durchgängiges Thema.

Traditionell haben sich an unserer Schule die sog. „Berufskundlichen Tage“ bewährt. Im Februar haben alle Schüler und Schülerinnen der 9. Klassen die Möglichkeit, bei Ausbildungsleitern oder Vertretern von Berufsfachschulen oder Vertretern der Fachoberschulen wichtige Informationen zu Beruf, Bewerbungsunterlagen, Bewerbungs-verfahren etc. zu erfahren. Dabei können sie an zwei Tagen sechs Vorträge mit Diskussion und Gesprächsangeboten nutzen. Fast alle vertretenen Firmen bringen Azubis mit, zum Teil ehemalige Schüler unserer Schule, sodass die Fragen sehr schülernah beantwortet werden können. 2014 konnte wieder aus einer Auswahl von knapp 60 Angeboten gewählt werden. Die Resonanz der teilnehmenden Referenten ist insgesamt positiv, sodass wir diese Veranstaltung auch weiterhin als wichtiges Element zur Berufsfindung organisieren wollen.

Enge Zusammenarbeit besteht ebenfalls mit der Wirtschaft, wenn die Schüler und Schülerinnen ein Bewerbungstraining absolvieren. Wieder kommen Referenten in unsere Schule und coachen die Jugendlichen bei Bewerbungsgesprächen und Bewerbungs-unterlagen. Dieses Bewerbungstraining wird nach dem Betriebspraktikum organisiert, damit die ersten praktischen Begegnungen mit der Arbeitswelt gemacht sind. Wertvolle Tipps bedeuten oft, dass eine Bewerbung erfolgreich ist.

Da immer mehr Unternehmen dazu übergehen, Bewerber vor dem Abschluss eines Ausbildungsvertrages praktisch zu testen, nimmt das Betriebspraktikum einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Noten sind zwar wichtig, Zeugnisbemerkungen, die die Person des Schülers würdigen, werden von den Personalschefs sehr kritisch gelesen, aber letztendlich ausschlaggebend ist häufig die Persönlichkeit des Bewerbers. Fachliche Kenntnisse können zwar noch nicht getestet werden, aber Tugenden wie Höflichkeit, Aufgeschlossenheit, Interesse, Zuverlässigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Eigeninitiative, Genauigkeit usw. können sehr wohl bewertet werden. So haben Schüler, bei denen die eine oder andere Note nicht die strengen Voraussetzungen des Unternehmens erfüllt hat aufgrund ihrer praktischen Tätigkeit während des Praktikums und ihrer Persönlichkeit doch den gewünschten Ausbildungsplatz erhalten.

Es ließen sich bestimmt noch weitere Beispiele für den Praxisbezug der wirtschaftskundlichen Fächer aufzählen. So kann man auch täglich mit dem aktuellen Zeitgeschehen Parallelen im Wirtschaftsunterricht finden. Insgesamt trifft aber die oft zitierte Aussage zu, dass man nicht für die Schule lernt, sondern für das Leben.

 

Martina Paulini